Eine neue Ära des wirkungsorientierten Gründungstransfers 

Neben klassischen Kennzahlen rückte 2022 bis 2026 die gezielte Befähigung für messbare gesellschaftliche Wirkung in das Zentrum der bayerischen Transferstrategie. Dieser Artikel beleuchtet, wie Verbundprojekte durch innovative Praxisräume und Multiplikatoren-Schulungen eine neue Qualität im Gründungstransfer sicherstellen. 

Transfer mit Wirkungsorientierung 

Der Gründungstransfer an deutschen Hochschulen wird seit einigen Jahren neu gedacht: Während lange Zeit technologische Innovationen und ökonomische Kennzahlen im Fokus standen, vollzieht sich ein Paradigmenwechsel hin zur Ergänzung durch die gesellschaftliche Wirkung (Impact). Angestoßen wird diese Entwicklung durch nationale Initiativen wie das „Hochschulnetzwerk für Social Innovation” des SEND e.V. und die „Nationale Strategie für Soziale Innovationen” der Bundesregierung. Das Ziel ist es, Hochschulen als Motoren einer sozial-ökologischen Transformation zu etablieren, indem Transfer nicht mehr als linearer Wissensexport, sondern als ko-kreativer Entwicklungsraum verstanden wird. 

In Bayern wurde dieser Weg zwischen 2022 und 2026 durch die Fördermaßnahme „Impact-orientierte Entrepreneurship-Qualifizierung“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK) konsequent eingeschlagen. Ergänzend zum bayerischen High-Tech-Fokus rückte die Ausbildung von Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu verantwortungsvollen Problemlöserinnen und Problemlösern in das Zentrum der Strategie.  

Entstanden sind Strukturen, die Impact Entrepreneurship nicht als experimentelles Zusatzangebot, sondern als festen Bestandteil der Hochschul-DNA begreifen. Im Verbundprojekt Impact E³ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hochschule Ansbach und Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) sowie bei impACTup! (Ludwig-Maximilians-Universität München, Universität Augsburg) wurden Programme entwickelt, die den Sprung aus der Lehre in die Praxis fördern. Parallel dazu setzen Projekte wie U4Impact (Universität Bayreuth, Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm) und Impact For Future (Technische Universität München, Hochschule München, Hochschule Landshut) auf Ebene der Lehrenden an, um das Thema strukturell zu verankern. Der folgende Artikel beleuchtet, wie diese Initiativen Gründungstransfer neu denken – von der Begleitung innovativer Ideen bis hin zur systemischen Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.  

Infobox: 
Transfer erweitert 

Aktuelle wissenschaftliche Leitfäden wie die „SISEE-Broschüre” (2024) sowie Analysen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft brechen mit dem klassischen Bild des linearen Wissensexports („von der Hochschule in den Markt“). Sie definieren Transfer heute als multidirektionalen Austauschprozess zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.  

  • Transfer als Ko-Kreation: Im Zentrum steht nicht mehr das reine Endprodukt (die Gründung), sondern ein ko-kreativer Lern- und Entwicklungsraum. Transfer wird als Prozess verstanden, der Kompetenzen, Haltungen und Handlungsfähigkeit von Menschen (Studierenden wie Hochschulmitarbeitenden) in den Mittelpunkt rückt, um gesellschaftliche Transformation zu ermöglichen 
  • Gesetzlicher Auftrag (BayHIG): In Bayern ist ein erweitertes Verständnis seit 2022 im Bayerischen Hochschulinnovationsgesetz (Art. 2 Abs. 3) verankert. Transfer ist damit eine den Kernaufgaben Forschung und Lehre rechtlich gleichgestellte Verpflichtung („Third Mission“) 
  • Fokus Befähigung & Impact: Ziel des bayerischen Weges (gemäß StMWK) ist die „Befähigung zum Transfer“. Es geht darum, Lösungen für drängende gesellschaftliche sowie ökologische Herausforderungen im Sinne der Triple Bottom Line (ökonomisch, ökologisch, sozial) skalierbar zu machen 

Strategische Einbettung: Im Einklang mit der „Nationalen Strategie für Soziale Innovationen” (BMBF 2024) agieren Hochschulen als Impulsgeberinnen für gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle und gestalten aktiv regionale Innovationsökosysteme mit. 

Weiterlesen: 
Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. (2022). Bayerisches Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG). München: StMWK. 

Bundesministerium für Bildung und Forschung. (2024). Nationale Strategie für Soziale Innovationen und Gemeinwohlorientierte Unternehmen. Berlin: BMBF. 

Kruse, D. J., Ajiri, A., Gossel, B. M., Hedemann, C., Frank, C., Kroiß, F., & Schroff-Spiering, D. (2024). Wirkungsvoll Social Innovation Education & Social Entrepreneurship Education gestalten und etablieren – ein Leitfaden für die Hochschulpraxis. Eberswalde/Bayreuth: SISEE-Projektverbund.  

Temporäre Experimentierräume:
Labs und Inkubator-Programme 

Um wissenschaftliche Erkenntnisse und studentische Ideen in praktikable Lösungen zu überführen, bedarf es geschützter Räume für Experiment und Validierung. Zu diesem Zweck haben die Verbundprojekte spezifische Begleitformate entwickelt, die in ihrer Konzeption weit über die reine Theorievermittlung hinausgehen.  

„Impact Creators Program” (Impact E³

Das „Impact Creators Program“ ist ein hochschulübergreifendes Qualifizierungsformat, das darauf ausgelegt ist, die Lücke zwischen Entrepreneurship-Lehre und realem Gründungsvorhaben zu schließen. Es richtet sich an Studierende, Forschende und Alumni der Verbundpartner (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und Hochschule Ansbach), die bereits eine Idee mit gesellschaftlichem Mehrwert haben. Anstatt sich auf rein akademische Wissensvermittlung zu beschränken, folgt das Programm dem Prinzip des „Learning by Doing“. Über mehrere Monate durchlaufen die Teilnehmenden Workshops mit Methoden wie Design Thinking, Business Design und Sustainable Change Management. Dabei begleiten Coaches und Projektbeauftragte die Teilnehmenden in der Weiterentwicklung ihrer sozialen Innovationsvorhaben u.a. durch Meilensteine wie Bedarfsanalyse, Geschäftsmodellentwicklung sowie reale Markttests. Ein zentrales Merkmal der Zusammenarbeit ist die bewusste Auflösung des Widerspruchs zwischen Gemeinwohl und Profit: Die Teilnehmenden werden geschult, eine klare Wirkungslogik aufzustellen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Modelle zu entwickeln. Laut Latife Karaibrahimoglu (Projektmitarbeiterin Impact E3 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg) liegt insbesondere für die „Nicht-BWL’ler” der Lerneffekt des Programms in der Erfahrung, dass sie „kein tiefes ökonomisches Wissen brauchen, um eine Wirkung zu erzielen”. Anstatt auf eine schnelle Gründung zu schielen, steht daher vielmehr ein “Mindset-Shift” der Teilnehmenden im Fokus des Programms.  

Die Teams lernen sich kennen
„Impact Creation“ in Aktion

Das “Impact Creators Program” fungiert als interdisziplinärer „Nährboden“, der Studierenden und Forschenden aller Fakultäten den Mut gibt und einen Weg aufzeigt, gesellschaftliche Probleme unternehmerisch anzugehen. Der Zeitpunkt, in dem dieses neu gewonnene Wissen seinen Weg in die Anwendung findet, kann laut der Projektverantwortlichen eine Latenz aufweisen. Wie Michael Fried (Hochschule Ansbach) betont, ist es für die Entfaltung gesellschaftlicher Wirkung entscheidend, dem “Transferprozess einen Zeithorizont von 5, 10 oder gar 15 Jahren einzuräumen”. Erst in diesem Zeitraum zeige sich die volle Dynamik, wenn die Teilnehmenden als Multiplikatoren ihre Innovationskraft und das geschaffene Netzwerk dauerhaft in ihre zukünftigen Arbeitswelten und die Gesellschaft tragen.   

Erfolgsfaktoren

Interdisziplinarität: Durch den „wilden Mix“ aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen (z. B. Medizin, Jura, Ingenieurwissenschaften) entstehen besonders innovative Ideen, da verschiedene Perspektiven Silo-Denken verhindern 

Stärkung der Selbstwirksamkeit: Die Teilnehmenden erleben durch das Anwenden agiler Innovationsmethoden, dass sie kein abgeschlossenes BWL-Studium benötigen, um gesellschaftliche Probleme unternehmerisch zu lösen 

Learnings

Inklusives Wording: Das Wort „Impact“ wirkt als kommunikative Brücke und ermöglicht eine deutlich breitere, diverse Zielgruppenansprache 

Ressource Marketing: Die professionelle Bewerbung von Programmen ist zeitaufwendig und stellt oft ein Nadelöhr für Gründungseinrichtungen dar. Zur Förderung der Sichtbarkeit und Annahme der Förderangebote ist es daher essenziell, Marketing-Ressourcen in Anträgen und in der Projektkoordination einzuplanen 

Realistischer Zeithorizont: Das Wissen um die zeitliche Verzögerung der Wirkungsentfaltung dient einer realistischeren Zieleinschätzung der Förderformate  

Impact Innovation Lab (impACTup!

Das „Impact Innovation Lab” im Rahmen des Projekts ImpACTup! wird von den Verantwortlichen weniger als klassischer Inkubator, sondern vielmehr als intensiver „Innovationsprint“ beschrieben. Ursprünglich als zweiwöchiges Format geplant, hat es sich zu einem kompakten Wochenendprogramm entwickelt, um den Teilnehmenden einen ungestörten „Flow“ und einen echten „Deep Dive“ in komplexe Problematiken zu ermöglichen. Die zeitliche Verknappung dient dabei als bewusste Maßnahme, um schneller zu Entscheidungen und Ergebnissen zu gelangen. 

Das interdisziplinäre Lab wird in enger Kooperation mit dem Center for Digital Technology and Management (CDTM) sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Augsburg umgesetzt. Ein zentrales Merkmal ist die Breite der enthaltenen Perspektiven: Dabei nehmen nicht nur Studierende der Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften teil, sondern auch gezielt Personen aus Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaften. Diese Vielfalt ist förderlich, um systematische Ansätze für gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln. 

Inhaltlich liegt der Fokus auf der Analyse sogenannter „Wicked Problems“ – also hochkomplexen gesellschaftlichen Fragestellungen, für die es keine einfachen Lösungen gibt, wie beispielsweise Herausforderungen auf dem Münchener Wohnungsmarkt und die darauf fußende Entwicklung von Lösungen im ländlichen Raum. Um Lösungen zu finden, werden die Teilnehmenden befähigt, systemische Zusammenhänge zu verstehen, Innovationspotenziale zu diagnostizieren und methodisches Wissen in Bereichen wie Ideation und Investor Pitching anzuwenden. 

Ziel des „Impact Innovation Labs” ist dabei nicht zwingend die sofortige Ausgründung eines Startups. Vielmehr geht es um die Vermittlung von Impact-Kompetenzen und das Zusammenführen von Gleichgesinnten. Das Programm fungiert somit als Vorbereitung und Brücke für weiterführende Angebote im Gründungsökosystem, wie etwa spezifische Inkubationsprogramme an den beteiligten Universitäten. Durch die Einbindung zahlreicher Partner entsteht auf diese Weise eine starke Community, die den Grundstein für eine nachhaltige, wirkungsorientierte Gründungskultur legt.   

Erfolgsfaktoren

Interdisziplinarität: Durch den gezielten Einbezug von Studierenden aus der Philosophie, Psychologie und den Sozialwissenschaften werden hochkomplexe „Wicked Problems“ auf systematischer Ebene analysiert und gelöst 

Starke Ökosystem-Vernetzung: Das „Impact Innovation Lab” wird durch eine Kooperation der Ludwig-Maximilians-Universität München mit dem Center for Digital Technology and Management (CDTM) sowie den Gründungszentren der Technischen Universität München und der Universität Augsburg getragen. Das Lab fungiert als Brücke in weiterführende Inkubationsprogramme des Gründungsökosystems 

Fokus auf Impact-Kompetenzen: Ein wesentlicher Erfolg des Lab-Formats liegt darin, den Teilnehmenden methodische Kenntnisse zu Systemanalyse, Ideation und Investor Pitching zu vermitteln, ohne sie sofort zur Gründung zu drängen. Im Vordergrund stehen das Finden von Gleichgesinnten und die Entwicklung einer fundierten Wirkungslogik für ihre Ideen 

Learnings

Vermeidung von Flow-Unterbrechungen: Die Reduzierung des Formats von ursprünglich zwei Wochen auf ein kompaktes Wochenendprogramm ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themen- und Problemfeldern 

Produktivität durch Zeitknappheit: Die bewusste zeitliche Verknappung dient dazu, schneller zu Entscheidungen und Ergebnissen zu gelangen 

Flexibilität in der Organisation: Da Studierende verschiedener Standorte unterschiedliche Vorlesungszeiten haben, erwies sich das Wochenendformat als wesentlich praktikabler für die hochschulübergreifende Zusammenarbeit als längere Zeitintervalle 

Train-the-Trainer Ansätze: Digitale Kurse für Lehrende und „Scientific Enabling“

Laut der „Entrepreneurial Skills Charta” (2024) des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft stellt erst eine strukturelle, curriculare Verankerung sicher, dass Lehrende explizit für dieses Thema eingesetzt werden und alle Studierenden in der Breite die Möglichkeit zur Kompetenzentwicklung erhalten. Ein nachhaltiger Strukturwandel an Hochschulen gelingt demnach, wenn Entrepreneurship über die Gründungsberatung hinaus direkt in der Lehre und Forschung verankert wird. Für die Verbundprojekte in Förderung „impact-orientierte Entrepreneurship-Qualifizierung“ bedeutet das, auf die Qualifizierung der Lehrenden und Forschenden als zentrale „Enabler“ zu setzen. 

Teach-the-Teacher: Ein digitaler Hebel durch MOOC und Wiki 

Um Impact-Wissen flächendeckend und standortübergreifend in der bayerischen Hochschullandschaft zu verankern, haben die Partner Technische Universität München, Hochschule München, Hochschule Landshut und die Social Entrepreneurship Akademie (SEA) eine digitale Infrastruktur geschaffen, die weit über klassische Workshop-Formate hinausgeht. Das Herzstück ihrer Strategie ist der englischsprachige Massive Open Online Course (MOOC) „Teach-the-Teacher on Impact Entrepreneurship & Systems Innovation“. Auf der „SCE Academy Plattform” bietet dieser Kurs mit 8 Modulen und über 20 Kapiteln eine fundierte, wissenschaftlich basierte Grundlage für den Aufbau von eigenen Lehrangeboten. Er führt Lehrende systematisch von den Basics des Impact-Entrepreneurship über komplexes Systemdenken bis hin zur praktischen Gestaltung eigener Curricula. Der MOOC fungiert dabei als „Single Source of Truth“: Er stellt sicher, dass Qualitätsstandards gewahrt bleiben, während er gleichzeitig zeitliche und räumliche Flexibilität bietet, die für die Qualifizierung von Lehrpersonal an unterschiedlichen Standorten essentiell ist. 

Ergänzt wird dieses Lernangebot durch das „Wiki on Impact Entrepreneurship Education“, die sowohl als wissenschaftliche Begleitressource des Kurses, als auch als „Werkzeugkasten“ für die spätere Lehre dient. Während der MOOC theoretisches Fundament und methodische Anleitung für Impact-Entrepreneurship Lehre bietet, übernimmt das Wiki den Transfer in den Seminarraum. Es enthält eine kuratierte Auswahl an Best-Practice-Lehrformaten, spezifische Methoden-Tools und modulare Inhalte, die Lehrende direkt in ihre eigenen Kurse integrieren können. Diese Kombination aus strukturierter Qualifizierung (MOOC) und praxisnaher Materialsammlung (Wiki) erzeugt ein skalierbares Format: Es gibt Educatorn nicht nur eine theoretische Basis zum Thema Impact-Lehre, sondern senkt auch die Hemmschwelle zur eigenen Umsetzung, indem praxisnah und zeitschonend Impact-Lehrformate vermittelt wird. Durch die zwei sich ergänzenden digitalen Angebote kann Impact-Entrepreneurship von einer Nischenposition in die Breite der verschiedenen Fakultäten getragen werden. 

Erfolgsfaktoren

Modularität und Zielgruppenbreite: Die Inhalte sind so gestaltet, dass sie sowohl für Neueinsteiger als auch für erfahrene Lehrende geeignet sind. Die Toolbox ermöglicht es, gezielt nach Methoden zu suchen oder sich je nach Vorwissen durch verschiedene Pfade zu klicken 

Einbindung des Ökosystems: Die Qualität der Inhalte wird durch die Einbindung von Praxisbeispielen (wie z.B. Video-Interviews mit Social-Entrepreneuren) gesteigert. Das bestehende Netzwerk der Social Entrepreneurship Akademie hat sich hierfür als wertvolle Ressource erwiesen 

Wissenschaftliche Tiefe durch Zusatzmaterialien: Neben Videos bietet der Kurs wissenschaftliche Artikel und vertiefende Quellen für diejenigen an, die tiefer einsteigen wollen 

Englisch als universelle Sprache: Um die Angebote möglichst universell einsetzbar zu machen – insbesondere für internationale Lehrende an Universitäten wie der Technischen Universität München –, wurde der Kurs auf Englisch konzipiert

Learnings

Herausforderung Sichtbarkeit: Ein zentrales Learning ist, dass ein technisch fertiger Kurs noch keine Aufmerksamkeit garantiert. Die Kommunikation der Angebote und die Auffindbarkeit (z. B. über eine zentrale Website) sind entscheidend, damit das Angebot in die Breite getragen wird 

Produktion und didaktische Balance: Die Produktion von MOOCs bedarf einer umfangreichen Planung: Module entwickeln, Einheiten skripten, Sets einrichten, Filmen, Nachbearbeiten. Auch die Balance zwischen Video und Text bedarf eines Feedbacks von Lehrenden und weiteren potenziellen MOOC-Teilnehmenden 

Scientific Enabling & Evolution: Von der Methodenschulung zum Kulturwandel 

Einen Weg der kulturellen Transformation beschreitet das Projekt U4Impact an der Universität Bayreuth und der Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Die vierjährige Projektlaufzeit kam dabei einem intensiven Lernprozess gleich: Ursprünglich als klassische Qualifizierung für Gründungscoaches und Mentoren geplant, entwickelte sich das Konzept über verschiedene Iterationsstufen zu einem differenzierten Instrument des „Scientific Enabling“. Es bezeichnet die Befähigung von Forschenden, das gesellschaftliche und unternehmerische Potenzial ihrer eigenen Forschung systematisch zu identifizieren und diese Erkenntnisse gezielt in wirkungsvolle Anwendungen oder Gründungen zu überführen.  

Das U4Impact Verbundprojekt verfolgte zwei komplementäre Wege: Einerseits wurden skalierbare digitale Angebote geschaffen, indem Impact-Inhalte entwickelt und über die landesweite Plattform ProfiLehrePlus sowie in Kooperation mit dem SEND e.V. online zur Verfügung gestellt wurden. Parallel dazu setzte U4Impact auf flexible, persönliche Formate, die direkt in die Fakultäten hineinwirkten. Prof. Eva Jakob (Projektleitung U4Impact, Universität Bayreuth) erkannte in diesem Prozess, dass eine rein methodische Schulung des Personals („Wie berate ich Gründende?“) oft zu kurz griff. Der wahre Hebel für den Transfer lag vielmehr in der direkten Mobilisierung wissenschaftlicher Mitarbeitender über alle Fachbereiche hinweg – von den Sozialwissenschaften über die Biologie bis hin zur Paläontologie. Anstatt sie lediglich im Sinne des „Train-The-Trainers“ zu „Befähigern von Studierenden“ auszubilden, lernen sie heute zusätzlich, das Gründungspotenzial ihrer eigenen Forschung – sei es in der Dinosaurierforschung oder der Materialwissenschaft – aktiv zu identifizieren. Gerade dieses Erleben und Erkunden der Relevanz von Impact-Entrepreneurship im eigenen Forschungsfeld erzeugte bei den Dozierenden eine zusätzliche Offenheit, ihre Studierenden für die Impact-Entrepreneurship-Module zu begeistern.  

Diese Erkenntnis markiert eine signifikante Veränderung in der Sichtweise, wie Impact Entrepreneurship in Hochschulen behandelt wird: Die bloße Ausweitung klassischer Gründungsberatung reicht nicht aus, um Impact-Entrepreneurship in den verschiedenen Fakultäten zu verankern. Vielmehr muss wirkungsorientierter Transfer organischer Teil der wissenschaftlichen Arbeit werden. Durch diese Querschnittsintegration werden Forschende und Lehrende fachfremder Fakultäten mobilisiert und qualifiziert, um Forschungsideen von Beginn an mit einem gesellschaftlichen Fokus weiterzuentwickeln. Die Ergänzung der zentralen Gründungsunterstützung durch eine dezentrale „Impact-Kultur“ an den Fakultäten erzeugt Anknüpfungspunkte für wirkungsorientierte Lehre und Gründungstransfer. 

Erfolgsfaktoren

Agile und iterative Entwicklung: Statt an den Antragsmaßnahmen festzuhalten, führte ein kontinuierlicher Prozess des Erprobens, Verwerfens und Anpassens der Angebote zu einem flexiblen Maßnahmenmix, der auf die tatsächlichen Bedürfnisse der verschiedenen Fakultäten reagieren konnte 

Nutzen von Transferdruck: Viele Fakultäten stehen unter Druck, mehr „Wissenstransfer“ nachzuweisen, wissen aber nicht, wie sie das umsetzen sollen. Das Projektteam positioniert sich hier erfolgreich als Dienstleister, der fertige Lösungen und Enabling-Formate für diesen Transferbedarf anbietet 

Verankerung in anerkannten Strukturen: Die digitalen Qualifizierungsmaßnahmen für das Lehr- und Forschungspersonal wurden über bestehende Hochschul-Plattformen wie ProfiLehrePlus und den SEND e.V. verfügbar gemacht 

Learnings

Shift von Coach-Qualifizierung zur Mobilisierung: Die ursprüngliche Maßnahme, Lehrende diverser Fakultäten in der Impact-Gründungsberaterung zu schulen, wurde mit den Lehrenden zu Mobilisierungsformaten weiterentwickelt 

Vom Multiplikator:innen zum Innovatoren: Die ursprüngliche Annahme, wissenschaftliches Personal primär als künftige Lehrende zu qualifizieren, wandelte sich durch die direkte Zusammenarbeit mit PhDs und Postdocs. Statt Train-the-Trainer-Angebote für die eigene Lehre zu nutzen, mobilisierten die Teilnehmenden das gewonnene Wissen zur Validierung und Skalierung eigener Geschäftsmodellideen direkt aus ihrer Forschung heraus 

Pragmatismus statt starrer Formate: Train-the-Trainer entwickelte sich von einem geplanten starren Programm hin zu einem flexiblen Maßnahmenmix aus interner Kompetenzentwicklung, Online-Formaten und langfristiger Unterstützung bei der Lehrgestaltung 

Ein Fundament für eine zukunftsorientierte Gründungskultur 

Die bayerische Förderinitiative zur „impact-orientierten Entrepreneurship-Qualifizierung“ hat zwischen 2022 und 2026 aufgezeigt, wie der Gründungstransfer an Hochschulen über die rein ökonomische Verwertung hinaus nachhaltig erweitert werden kann. Gestützt durch das Bayerische Hochschulinnovationsgesetz (Art. 2 Abs. 3), das den Transfer als gleichberechtigte „Third Mission“ verankert, ist es Verbundprojekten wie Impact E³, impACTup!, U4Impact und Impact For Future gelungen, unternehmerisches Handeln und Gemeinwohlorientierung im Sinne der Triple Bottom Line untrennbar miteinander zu verknüpfen. Formate wie das „Impact Creators Program“ oder das „Impact Innovation Lab“ haben dabei bewiesen, dass erfolgreicher Transfer kein Zufallsprodukt ist, sondern auf klug gestalteten Strukturen basiert, die den Mut zum Experimentieren mit der methodischen Strenge der Wissenschaft vereinen. 

Ein wesentliches Ergebnis dieser Jahre ist die Erkenntnis, dass der größte Hebel für gesellschaftliche Innovationen in der breiten Befähigung von Menschen liegt. Durch die Verbindung von praxisnahen Begleitprogrammen für Studierende und systemischem „Scientific Enabling“ für das wissenschaftliche Personal wurden Impact-Themen fest in der DNA der Fakultäten verankert. Die geschaffenen digitalen Infrastrukturen und Multiplikatoren-Netzwerke stellen sicher, dass Hochschulen heute als Orte wahrgenommen werden, an denen Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen organisch entstehen und aktiv angestoßen werden. Diese über vier Jahre gewachsenen Ökosysteme bilden nun die Startrampe, um den eingeschlagenen ko-kreativen Weg zwischen Wissenschaft und Gesellschaft dauerhaft weiter zu beschreiten. 

Interviewpartner:innen

  • Prof. Jelena Spanjol, Ludwig-Maximilians-Universität München, impACTup! 
  • Konstantin Leidinger, Universität Augsburg, impACTup! 
  • Prof. Eva Jakob, Universität Bayreuth, U4Impact  
  • Carola Vogel, Technische Universität München, Impact For Future 
  • Pia Traub, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Impact E³ 
  • Michael Fried, Hochschule Ansbach, Impact E³ 
  • Klemens Hering, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Impact E³ 
  • Latife Karaibrahimoglu, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Impact E³