Besondere Zielgruppen in der Impact-Entrepreneurship-Qualifizierung 

Dieser Artikel beleuchtet, wie die Konzentration auf spitze Zielgruppen in der Impact-Entrepreneurship-Qualifizierung neue Handlungsräume öffnet. Die gezielte Impact-Qualifizierung von Forschenden und Lehrkräften verankert unternehmerisches Denken als Werkzeug für gesellschaftliche Innovationen und macht diese Schlüsselgruppen zu Treibern eines Kulturwandels an Schulen und Hochschulen, der weit über klassische Gründungsförderung hinausgeht. 

Ein Hebel für die Impact-Qualifizierung 

„Beschreiben Sie Ihre Zielgruppe so präzise wie möglich“ – diese Anweisung steht am Anfang fast jeder Geschäftsmodellentwicklung. Dass dieser Leitsatz auch in der Konzeption akademischer Lehre zu wegweisenden Ergebnissen führt, zeigen zwei Verbundprojekte der Impact-Entrepreneurship-Qualifizierungs-Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK). Auf die Frage: „Wenn wir die Welt verändern wollen, wen müssen wir befähigen?“, formulierten die Projektverantwortlichen ihre Zielgruppen radikal spitz. Was daraufhin geschrieben wurde, ist die Geschichte einer Qualifizierung, die dort ansetzt, wo der Hebel für eine nachhaltige Transformation am größten ist: Forschende und zukünftige Lehrkräfte werden zu Multiplikatoren für Impact-Entrepreneurship.  

Der Weg dorthin erforderte neue Herangehensweisen und Allianzen. Forschende und Lehrkräfte agieren in fachlichen Strukturen weit abseits der klassischen Startup-Szene. Daher funktionieren Standardangebote der Gründungsförderung hier nur bedingt. Die Projekte impACTup! (Ludwig-Maximilians-Universität München, Universität Augsburg) und Teachers as Changemakers (TaC) (Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Julius-Maximilians-Universität Würzburg) haben Impact-Entrepreneurship konsequent in die jeweilige Arbeitsrealität übersetzt. In den Projekten geht es nicht ausschließlich um die Förderung von Gründungsabsichten bei Studierenden, sondern ebenfalls um die Stärkung von Handlungsfähigkeit, die Klärung unterschiedlicher Rollen sowie die Wirksamkeit im professionellen Kontext von Lehrenden.  

Academic Pathways: Exzellente Forschung in Anwendung übersetzen

Das Programm „Academic Pathways to Impact and Innovation“ innerhalb von impACTup! (Ludwig-Maximilians-Universität München, Universität Augsburg) adressiert diejenigen, die die Wissenschaft von morgen prägen: PhD-Studierende und das wissenschaftliche Personal der Fakultäten der beteiligten Institutionen. Dem Projekt ging die zentrale Erkenntnis der Verantwortlichen voraus, dass Innovation an Universitäten oft ungenutzt bleibt, da Forschenden die Brücke zwischen „Labor“ und Gesellschaft fehlt. Das Programm führt Impact-Entrepreneurship daher als integralen Bestandteil von „Translational Science“ in den universitären Alltag ein und fördert damit die Fähigkeit und Motivation, Forschungsergebnisse der Studierenden und Mitarbeiterden in reale Anwendungen zu übersetzen. 

Unter Berücksichtigung des extremen Zeitdrucks in der Promotionsphase wurde das Format als hybrider Workshop konzipiert. In einer zehntägigen Selbststudienphase erschließen sich die Teilnehmenden dabei über digitale Videos und Übungen die Grundlagen von Impact-Konzepten und Innovationsprozessen. Das Herzstück des Lernformats ist der „impACTup! Reader“ – ein persönlicher Kompass mit dem Teilnehmende ihre Forschungsarbeit auf gesellschaftliche Potenziale evaluieren können. Den Abschluss bildet ein Präsenz-Event mit interdisziplinärem Austausch. So treffen beispielsweise Teilnehmende aus der Philosophie und Informatik aufeinander, um gemeinsam über Themen wie „Social Equity in Manufacturing“ zu diskutieren und ihre Rolle als Gestalter gesellschaftlicher Transformation neu zu definieren.  

Wirkung als Ankerpunkt zwischen den Disziplinen 

Die Arbeit mit Forschenden im Kontext Entrepreneurship zeigt laut Prof. Jelena Spanjol (Projektleitung impACTup!,  Ludwig-Maximilians-Universität München), dass das Thema „Wirkung“ der entscheidende Türöffner in die Gründungswelt ist. Forschende suchen oft nach Wegen, ihre hochspezialisierten Erkenntnisse für die Gesellschaft nutzbar zu machen. Wenn unternehmerisches Handeln bereits im Rahmen der universitären Laufbahn als Brücke zur Relevanz gerahmt wird, verschwinden Vorbehalte gegenüber wirtschaftlichen Begrifflichkeiten und machen Platz für einen weitreichenden Perspektivwechsel: So vermittelt das Programm, dass Impact-Entrepreneurship-Orientierung nicht im Gegensatz zur wissenschaftlichen Exzellenz steht, sondern vielmehr deren logische Fortsetzung in die Praxis ist.  

Dieser Fokus auf den potenziellen Impact von angewandten Forschungsergebnissen führt dazu, dass eine Qualifizierung von Studierenden und Mitarbeitenden als sinnstiftender Teil der akademischen Laufbahn wahrgenommen wird. Teilnehmende lernen, ihre Identität als Forschende zu wahren und gleichzeitig unternehmerische Werkzeuge zu nutzen, um systemische Veränderungen anzustoßen. Da PhDs selbst dazu angehalten werden, Lehrmodule innerhalb des Programms zu entwickeln und umzusetzen, dient  „Academic Pathways to Impact and Innovation“ zudem der Verankerung wirkungsorientierter Lehrkonzepte in vielfältigen Fachbereichen. 

Erfolgsfaktoren

Internationalität als Standard: Die konsequente Durchführung auf Englisch integriert die internationale Community der Forschenden 

Hybride Flexibilität: Die Kombination aus asynchronen digitalen Snippets und einem kompakten Präsenztag senkt die Einstiegsbarriere für Promovierende, die unter hohem Publikationsdruck stehen 

Fokus auf Impact Readiness: Die Zentrierung auf gesellschaftliche Wirkung schafft hohe Identifikation über Fachgrenzen hinweg 

Skalierung über die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb): Die Integration in die Plattform der vhb sorgt für landesweite Verfügbarkeit 

Learnings

Rollenklärung statt Umschulung: Der Erfolg liegt darin, Entrepreneurship nicht als „Berufswechsel“, sondern als zusätzliche wissenschaftliche Methode innerhalb der Rolle der Forschenden zu rahmen 

Zeitpunkt und Frequenz: Für Promovierende gibt es nicht „den“ richtigen Zeitpunkt, daher wird das Angebot mehrmals im Jahr angeboten. 

Präsenz in den Fakultäten: Vertrauen und Sichtbarkeit entstehen nicht durch zentrale Angebote, sondern durch die aktive Präsenz dort, wo die PhDs arbeiten – in den Instituten und Laboren der Universitäten 

Teachers as Changemakers: Die Gestalter der Bildung von morgen

Das Verbundprojekt Teachers as Changemakers (TaC) der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und Julius-Maximilians-Universität Würzburg setzt an einem der wirkmächtigsten Hebel des Bildungssystems an: den angehenden Lehrkräften. Im Gegensatz zu klassischen Qualifizierungsformaten für Studierende zielt die Förderung bei Lehrkräften dabei auf eine lebensphasenübergreifende Wirkung. Eine einmal qualifizierte Lehrkraft bleibt oft 35 bis 40 Jahre im Dienst. Das bedeutet: Die Investition in eine einzelne Person heute transformiert das Lernumfeld für Schülergenerationen der nächsten vier Jahrzehnte. 

Lehramtsstudierende aller Schularten werden daher im TaC-Programm systematisch zu Coaches für sozialunternehmerisches Denken und Handeln ausgebildet. Das Ziel ist es, Schulen in Orten zu transferieren, an denen junge Menschen Selbstwirksamkeit erfahren können. Dazu gehen im Modul „Schülerinnen und Schüler werden zu Changemakern“ Studierende direkt in die Praxis. In Tandems begleiten sie Schulklassen über einen längeren Zeitraum dabei, eigene Lösungen für soziale oder ökologische Probleme zu entwickeln. Dieser Prozess gipfelt im „Changemaker-Markttag“, an dem die Kinder und Jugendlichen ihre Impact-Projekte der Öffentlichkeit präsentieren und so den Wert und die Wirkung unternehmerischen Handelns unmittelbar erleben. 

Sinnstiftung und Lehrplan-Synergien

Die Erfahrungen aus dem TaC-Projekt zeigen, dass Impact Entrepreneurship Qualifizierung eine ideale Brücke zur “Bildung für Nachhaltige Entwicklung” (BNE) schlägt. Angehende Lehrer erkennen, dass unternehmerische Methoden dabei helfen, „Future Skills“ – wie Problemlösungskompetenz, Empathie und Eigenverantwortung – bei Kindern und Jugendlichen zu fördern, die im bayerischen LehrplanPLUS ohnehin fest verankert sind. Darüber hinaus zeigt das Projekt, wie die enge Verbindung zwischen Gründungs-Expertisen aus den Transferstellen und pädagogischer Fachkompetenz aus den Lehrerbildungszentren neue Qualitäten in die Ausbildung integriert. Die entstehenden Synergien führen unter anderem dazu, dass die teilnehmenden Studierenden Impact-Entrepreneurship-Qualifizierung als wertvolles Werkzeug für einen modernen, handlungsorientierten Unterricht wahrnehmen. 

Erfolgsfaktoren

Institutionelle Brücken: Die enge Zusammenarbeit zwischen den Gründungszentren und den Professional Schools of Education (PSE) ist ein entscheidender Schlüssel für die fachübergreifende Akzeptanz von Impact Entrepreneurship-Angeboten bei Lehramtsstudierenden 

Theorie-Praxis-Transfer: Die direkte Anwendung des universitären Wissens in Schulen (Theorie-Praxis-Transfer) erzeugt Akzeptanz für das Thema bei Lehramtsstudierenden 

Die TaC-Toolbox: Mit didaktisch aufbereiteten Materialien und modularen Handreichungen wurde ein Instrument geschaffen, das Lehrkräften den Einstieg in komplexe Impact-Themen massiv erleichtert   

Learnings

Curriculare Einbettung: Um das Thema dauerhaft in der Lehre zu halten, ist die Integration in Zertifikatsstudiengänge und neue Erweiterungsfächer (wie am Standort Bamberg) essentiell 

Sichtbarkeit durch Anerkennung: Auszeichnungen wie die „Hochschulperle des Jahres“ wirken als Beschleuniger für die bundesweite Wahrnehmung und fungieren als wichtige Türöffner bei Bildungsministerien 

Das Potenzial spezifischer Zielgruppen in der Impact Lehre

Die vierjährige Förderung durch das StMWK hat unter Beweis gestellt, dass Impact-Entrepreneurship seine größte Wirkung dort entfaltet, wo es bestehende professionelle Rollendefinitionen nicht ersetzt, sondern sinnvoll erweitert. Ob Forschende, die Innovationen aus dem Labor in die Anwendung bringen, oder Lehrkräfte, die das Gefühl von Selbstwirksamkeit in die Klassenzimmer tragen – der Erfolg von impACTup! und TaC liegt in der radikalen Übersetzung unternehmerischer Konzepte in die professionelle Lebenswelt dieser Schlüsselgruppen. 

Dabei beweisen die unterschiedlichen Projekte, dass es heute nicht mehr nur um die Frage geht, ob Hochschulen einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Krisen leisten können, sondern wie sie ihre unterschiedlichen Akteure dazu befähigen. Es hat sich gezeigt, dass präzise Zielgruppendefinition und mutige interdisziplinäre Brückenbauten die Basis für echten Systemtransfer sein können. Damit ist ein Fundament gelegt, das weit über die Projektlaufzeit hinausreicht und unternehmerisches Denken als festen Bestandteil einer verantwortungsbewussten akademischen Ausbildung in Bayern etabliert. 

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