Externe Stakeholder
in der Impact-Entrepreneurship-Lehre

Viele Impact-Entrepreneurship-Lehrende in Bayern arbeiten mit Formaten wie Service-Learning und Challenge-based Learning mit Fokusthemen. Dieser Artikel stellt heraus, wie die Einbindung externer Stakeholder Qualität, Tiefe und Nachhaltigkeit von Impact-Entrepreneurship-Lehre beeinflussen kann.  

Anwendungsorientierte Ansätze in der Lehre

Externe Stakeholder sind eine zentrale Säule der Impact-Entrepreneurship-Lehre. Ihre Bedeutung liegt jedoch nicht in der bloßen Einbindung professioneller Partner aus der Praxis, sondern in der didaktischen Funktion, die sie in Lehr- und Lernprozessen übernehmen. Ob als Auftraggeber im Service-Learning oder als Feedbackgeber in thematisch fokussierten Modulen – externe Akteure verändern, mit welchen Themen Studierende in Kontakt kommen und wie sie lernen. Klassische akademische Bewertungskriterien – wie die theoretische Herleitung oder die Literaturarbeit – werden dabei nicht ersetzt, sondern um anwendungsorientierte Dimensionen ergänzt: Verantwortung, aktives Engagement und die reale soziale oder ökologische Wirkung von Ideen rücken als gleichwertige Erfolgsindikatoren in den Fokus. 

Doch was bedeutet es für den Aufbau des Moduls und für die Rolle der Dozierenden, wenn externe Stakeholder ein ergänzendes strukturierendes Element im Lernsetting sind? Und was geschieht, wenn sie nicht nur in ihrer Funktion als temporäre Impulsgeber in Modulen integriert werden, sondern die Module gleich über mehrere Jahre begleiten? 

Im Rahmen des vierjährigen Programms „Förderung der impact-orientierten Entrepreneurship-Qualifizierung“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (StMWK) wurden über mehrere Hochschulstandorte hinweg Service-Learning-Module und Challenge Based-Learning-Formate mit Fokusthemen entwickelt, erprobt und weitergedacht. Die hier dargestellten Erfahrungen sind in den Verbundprojekten U4Impact (Universität Bayreuth,  Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm) und Impact E³ (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Hochschule  Weihenstephan-Triesdorf und Hochschule  Ansbach) entstanden. 

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Was ist Service-Learning?

Service Learning ist ein didaktisches Lehr-Lernformat, das curriculare Studieninhalte mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Studierende arbeiten im Rahmen einer Lehrveranstaltung an konkreten Problemstellungen externer Organisationen (z. B. NGOs, Social Startups, Kommunen) und wenden dabei wissenschaftliche Konzepte und Methoden praktisch an. Die didaktischen Formate können dabei variieren – typische Beispiele hierfür sind Hackathons oder längere Projektseminare.  

Ein zentrales Merkmal des Service-Learning ist die systematische Reflexion der Studierenden, durch die Praxiserfahrungen mit theoretischem Wissen verknüpft und Lernprozesse bewusst gemacht werden. Ziel ist nicht nur der Erwerb fachlicher und methodischer Kompetenzen, sondern auch die Stärkung von Selbstwirksamkeit, Verantwortungsbewusstsein und gesellschaftlichem Engagement. 

Weiterlesen: 
Bringle, R. G., & Clayton, P. H. (2012). Civic education through service learning: What, how, and why? 

Service-Learning im Verbundprojekt Impact E³: Hackathons und semesterbegleitende Seminare

Im Verbund Impact-E³ wurde Service-Learning in unterschiedlichen Formaten umgesetzt. An der Hochschule Ansbach und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf kamen  kompakte curriculare Hackathon-Formate zum Einsatz. An der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) wurden semesterübergreifende Service-Learning-Seminare angeboten. 

Die durchgeführten Hackathon-Formate zeichneten sich insbesondere durch ihre hohe Intensität aus. In Hackathons arbeiten Studierende in interdisziplinären Teams an realen Herausforderungen externer Auftraggeber – häufig unter Zeitdruck und mit direktem Feedback. Anders als bei rein Geschäftsmodell-ausgerichteten Hackathons, legt Michael Fried (Projektmitarbeiter ImpactE3, Hochschule Ansbach) bei der Auswahl der formgebenden Aufträge hier großen Wert auf den gesellschaftlichen Impact: „Die Aufgabenstellungen für unsere Studierenden kommen von externen Partnern – etwa aus Wirtschaft, öffentlichem Sektor oder Zivilgesellschaft. Wichtig ist dabei, dass es nicht um klassische wirtschaftliche Optimierung geht, sondern um gesellschaftlich oder ökologisch relevante Themen”. 

Zentral beiden durchgeführten Hackathons war die Phase der gemeinsamen Problemklärung. Die Studierenden an der Hochschule Ansbach und Hochschule Weihenstephan-Triesdorf entwickelten nicht sofort Lösungen, sondern setzten sich zunächst intensiv mit dem Anliegen der externen Partner auseinander: „Viele merken dabei, dass sie das Problem zunächst ganz anders verstanden haben als die Auftraggeber“, so Fried. Die Teams wurden von externen Innovationscoaches begleitet, die ihnen Orientierung gaben und den Entwicklungsprozess leiteten. Diese Kombination aus Challenge-Gebern und Coaches schafften einen Rahmen, der eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht und gleichzeitig Sicherheit bietet.  

Das Modul „Technological Impact Entrepreneurship for Sustainable Development“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist als semesterbegleitendes Seminar konzipiert. Studierende entwickeln über mehrere Monate hinweg mit externen Organisationen wie NGOs oder Sozialunternehmen Lösungen für reale, praxisrelevante Fragestellungen: „Wir arbeiten bewusst mit externen Organisationen zusammen, weil genau dort ein Lernraum entsteht, den man im klassischen Seminar nicht abbilden kann. Es sind reale Themen, keine konstruierten Cases“, so Klemens Hering (FAU). Die Dozierenden verfolgen mit dem Format den Anspruch, einen Mehrwert für die externen Organisationen zu erzeugen. 

Mit der Lösung der Challenge ist das Modul jedoch nicht beendet. Die Studierenden präsentieren ihre Ergebnisse im Rahmen eines Vortrags und reflektieren den Prozess in einem schriftlichen Projektbericht, der den theoretischen Bezug zum Thema Impact-Entrepreneurship sichtbar macht. In der Note sind diese Ausarbeitungen gleich gewichtet. Der Projektbericht soll den Studierenden die Brücke zwischen Theorie und Praxis bewusst machen. 

Lernen durch Reibung 

Die Lehre in Zusammenarbeit mit externen Stakeholdern erzeugt einen starken Realitätsbezug: „Man merkt sehr deutlich, dass sich etwas verändert, sobald externe Partner Teil des Formats sind. Die Situation wird ernster, aber auch offener. Gespräche werden direkter, Diskussionen fokussierter, und es geht nicht mehr so sehr um Prüfungsleistungen, sondern um das gemeinsame Problem und die Entwicklung möglicher Lösungen“, so Pia Traub (Projektmitarbeiterin Impact E3, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf).  

Studierende treffen im Rahmen dieser Zusammenarbeit oftmals auf organisationale Logiken und Rahmenbedingungen, die sich nicht immer mit theoretischen Modellen decken. Im Service-Learning des Verbunds Impact E³ wird diese Spannung bewusst genutzt. „Die Reibung zwischen Hochschule und Praxis ist anstrengend, aber genau darin liegt ein zentraler Lernmoment“, beschreibt Klemens Hering (Projektmitarbeiter Impact , FAU). Studierende erleben, dass fachlich saubere Konzepte unter realen Bedingungen nicht automatisch praktikabel sind. Diese Erfahrung schärft Verantwortungsbewusstsein und Selbstreflexion.  

Auch die externen Partner lernen und profitieren von der Reibung, die entsteht, wenn ihre organisationale Logik durch studentische Perspektiven hinterfragt wird: Wozu braucht es diesen oder jenen Unternehmensprozess? Wie priorisiert das Unternehmen die Bereiche Impact oder Finanzen? Durch die explorative Außenperspektive von Teilnehmenden auf das Unternehmen und eine junge, studentische Energie entstehen in den Hackathons üblicherweise in kurzer Zeit spannende Erkenntnisse für die Unternehmen und Institutionen. Michael Fried (Projektmitarbeiter Impact E3, Hochschule Ansbach) betont: „Der Hackathon ist nicht nur für die Studierenden ein Lernformat, sondern auch für die externen Partner. Letztere nehmen nicht nur neue Impulse mit, sondern auch die studentische Motivation und Herangehensweise“.  

Lehrende als Übersetzer 

Mit der Einbindung externer Stakeholder erweitern und verändern sich die Aufgaben von Dozierenden deutlich. Neben der fachlichen Gestaltung übernehmen sie moderierende und übersetzende Funktionen zwischen Hochschule und Praxis. Dieser Prozess beginnt oft schon weit außerhalb des Hörsaals: Um spannende Partner zu gewinnen, müssen Lehrende proaktiv in die Vernetzung und Akquise gehen. 

In den Service-Learning-Formaten des Projekts Impact E³ wird eine sorgfältige didaktische Aufbereitung der Praxisaufgaben als signifikant für den Erfolg des Moduls beschrieben. Es liegt in der Verantwortung der Universität, reale Anfragen so zu übersetzen, dass sie den akademischen Anforderungen entsprechen und didaktisch tragfähig sind. Ohne eine solche klare Rahmung besteht die Gefahr einer Fokusverschiebung: „Wenn wir den Lernprozess nicht klar rahmen, wird Service-Learning am Ende nur noch Service. Dann geht es um Output statt um Lernen – und Studierende machen Werkstudententätigkeiten“, so Klemens Hering. Neben der Vorbereitung der Praxisaufgaben wird als weiteres ausschlaggebendes Kriterium für ein erfolgreiches Service-Learning-Modul das aktive Erwartungsmanagement und die gute Kommunikation zu den externen Stakeholdern genannt.

Erfolgsfaktoren

Übersetzung der Aufträge: Um den bestmöglichen Lernerfolg für Studierende zu erzielen, werden die Herausforderungen der externen Stakeholder für das Lehrmodul in didaktisch sinnvolle Challenges übersetzt 

Theoretisches Fundament: Die Reflexion des Praxisprojekts wird als gleichwertige Seminaraufgabe gewertet, damit das Format seinen akademischen Wert behält.  

Aktives Erwartungsmanagement: Es bedarf einer Moderation der Lehrenden, um die Ziele zwischen Studierenden und Praxispartner abzustimmen und Frustrationen auf beiden Seiten zu vermeiden 

Proaktive Netzwerkpflege und Kaltakquise: Ein funktionierendes Service-Learning-Format benötigt kontinuierliche Beziehungsarbeit; dabei gilt es, keine Scheu vorm Betreten neuer Pfade sowie der direkten Ansprache potenzieller Partner zu zeigen 

Integration externer Innovationscoaches: Die Begleitung durch externe Coaches bietet den Studierenden eine zusätzliche methodische Sicherheit im Ideation-Prozess und liefert Impulse „outside the box“ 

Learnings

Schutz vor der „Werkstudenten-Falle“: Eine klare didaktische Rahmung sowie der fortwährende Austausch zwischen Dozenten und Stakeholdern sind wichtige Faktoren, um Service-Learning nicht zu einer reinen Zuarbeit für Organisationen verkommen zu lassen 

Die „Produktive Reibung“ als Lernmoment: Lehrende sollten Spannungen, die durch unterschiedliche Zeitlogiken oder unpraktikable theoretische Konzepte entstehen, bewusst als wertvolle Lernerfahrungen rahmen 

Bewusstes Erzeugen von Atmosphäre: Formate wie Hackathons gewinnen an Lebendigkeit und Vernetzung durch ein inspirierendes Setting 

Challenge-Based Learning mit Fokusthema: Herangehensweise im Verbundprojekt U4Impact

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Themenfokussiertes Challenge-based Learning (CBL) 

Themenfokussiertes Challenge-based Learning (CBL) ist ein didaktisches Lehr-Lernformat, in dem Studierende innerhalb einer Lehrveranstaltung an realen gesellschaftlichen Herausforderungen eines klar definierten Themenfeldes arbeiten. Im Unterschied zu Service-Learning bearbeiten Studierende keine konkrete Aufgabenstellung einer einzelnen Organisation, sondern entwickeln eigene Projektideen innerhalb vorbereiteter Challenges. Externe Akteure sind als Impulsgeber und Feedbackpartner in den Lernprozess eingebunden. 

Ziel des Formats ist es, Studierende zu befähigen, eigene Fragestellungen und Impact-Projekte zu entwickeln, Rückmeldungen aus der Praxis systematisch einzuordnen und mit Komplexität und unterschiedlichen Perspektiven umzugehen.  

Weiterlesen: 
Galdames-Calderón, J. et al. (2024). Revisiting Challenge-Based Learning in Higher Education: A Systematic Review. Education Sciences

In der praktischen Umsetzung an der Universität Bayreuth konzentriert Prof. Eva Jakob (Projektleitung U4Impact, Universität Bayreuth) ihre Impact-Entrepreneurship-Module auf spezifische Fokusbereiche wie Inklusion, Mehrwegsysteme oder „Senioren-Entertainment“. Diese Fokusbereiche erkundet und kultiviert sie kontinuierlich über Zeiträume von drei bis vier Jahren. Um eine fundierte Basis für die Studierenden zu schaffen, identifiziert sie vor Semesterbeginn in intensiven Workshops mit sozialen Organisationen, Behörden und Unternehmen gesellschaftlich relevante Fragestellungen. Beim Thema Mehrweg arbeitete sie beispielsweise eng mit dem Startup Recup zusammen, um die Challenge-Beschreibungen gemeinsam mit den Gründern zu schärfen. 

Im Seminar selbst wählen die Studierenden aus mehreren vorgegebenen Challenges und werden anschließend mit den dazugehörigen Ansprechpartnern aus der Praxis zusammengebracht.  Durch die Vernetzung wird ein schneller Einstieg in Themenfelder ermöglicht, die den Studierenden oft unbekannt sind, und zugleich werden „Cold Calls“ bei der Ideenvalidierung vermieden. Um eine nahbare Beziehung zwischen Studierenden und Praxispartnern effizient zu erzeugen, forciert Prof. Eva Jakob gleich zum Auftakt des Seminars den Austausch zwischen den Teams, Praxispartnern und etablierten Startups. Auch zum Modulabschluss mit Präsentationen der Projektideen werden die externen Stakeholder eingeladen. Die intensive Vorbereitung der Themenbereiche durch Workshops führen zudem dazu, dass die Studierenden tiefer in die Problematik einsteigen, was die Qualität der resultierenden Geschäftsmodellideen signifikant steigert. 

Selbstwirksamkeit durch eigenes Innovationsprojekt 

In den themenfokussierten Challenge-based Learning-Modulen im Projekt U4Impact entsteht Lernen weniger über konkrete Aufträge als über den offenen Austausch mit Akteuren aus der Praxis. Externe Stakeholder fungieren hier vor allem als Feedbackpartner. Studierende müssen aktiv Kontakt zu ihnen aufnehmen, Rückmeldungen einholen und ihre eigenen Ideen zum Fokusthema des Moduls im Dialog weiterentwickeln. Prof. Eva Jakob (Projektleitung U4Impact, Universität Bayreuth) beschreibt diese Interaktionen als zentral, weil sie Studierende dazu zwingen, eigene Annahmen immer wieder zu überprüfen und unterschiedliche Perspektiven in den Prozess einzubeziehen. Durch das Entwickeln echter Lösungen ist es das Ziel der Lehrenden, dass Studierenden eine Erfahrung von Selbstwirksamkeit durch ein eigenes Projekt machen. Das Modul forciert daher neben der Innovationskompetenz eine innere Haltungsänderung von passivem Beobachten hin zu möglichem aktivem Engagement im Impact-Ökosystem – sei es als Gründer oder Mitarbeiter impact-orientierter Organisationen. 

Dozenten: Von spitzen Fragestellungen und offenen Lernräumen 

Im Challenge-Based Learning liegt der Schwerpunkt der Lehrenden noch stärker in der strategischen Vorbereitung und Strukturierung der Themenfelder. Die eigentliche Herausforderung wird bereits vor dem Semester gemeinsam mit Praxisakteuren entwickelt und präzise beschrieben. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Lehrenden vom Begleiten konkreter Einzelaufträge hin zur Gestaltung eines offenen Lernraums. In diesem Setting ist es ihre Aufgabe, Studierende vor allem darin zu unterstützen, mit der Offenheit und Komplexität des Formats umzugehen. Anders als im Service-Learning gibt es hier keinen fest definierten „Abnehmer“ der Ergebnisse. Lehrende moderieren vielmehr verstärkt Prozesse der Reflexion, Priorisierung und Rückkopplung – und helfen den Studierenden dabei, Unsicherheit als produktiven Bestandteil des Lernens zu akzeptieren. 

Lehre als Motor für Impact-Communities und Transfer 

Die themenfokussierten Challenge-based Learning-Formate im Projekt setzen auf langfristiges Community-Building rund um gesellschaftliche Fokusthemen wie Inklusion oder Mehrweg. Diese Communities werden über mehrere Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt, wodurch stabile Netzwerke zwischen unterschiedlichen Akteuren entstehen (z.B. Inklusionsamt, soziale Vereine und Verbände, Sportvereine, Startups). Prof. Eva Jakob (U4Impact, Universität Bayreuth) beschreibt die Universität als „Provider“, der eine vertrauensvolle Plattform für Ökosystem-Akteure und Studierende bietet, die im Alltag oft nur über formale Wege kommunizieren. Der Mehrwert der Hochschule als Plattform liegt in der Wahrnehmung als neutraler Begegnungsraum. Die Plattform ermöglicht Austausch, senkt Zugangsbarrieren und schafft Verbindungen, die über das einzelne Modul hinaus wirken. 

Für die Hochschulen ist ein weiterer Mehrwert der Lehre mit externen Stakeholdern der Transfer von studentischen Projekten in die Praxis. Ein prägnantes Bayreuther Beispiel ist ein studentisches Konzept für Rollstuhl-Basketball-Teamevents, das nach dem Seminar von einem Verein eigenständig weitergeführt und heute erfolgreich für Fundraising genutzt wird. Dazu kam es durch die finale Präsentation der Studierenden zum Semesterende, zu der auch die Community externer Akteure rund um das Thema Inklusion eingeladen wurden. Der Erfolg liegt hier neben dem herausragenden studentischen Projekt mit Praxisrelevanz in der Rolle der Hochschule als Plattform und Begegnungsraum.  

Erfolgsfaktoren

Langfristige Themenbesetzung: Anstatt jedes Semester neue Themen zu suchen, ist es ratsam, Felder wie Inklusion oder Mehrwegsysteme über drei bis vier Jahre hinweg zu besetzen. Dies schafft eine stabile Vertrauensbasis zu den Projektpartnern und Erkenntnisse in der Formulierung und Betreuung der Challenges 

Die Hochschule als „Provider“: Die Universität fungiert als vertrauenswürdige Plattform, die Akteure zusammenbringt, die sonst kaum aufeinander treffen würden. 

Sorgfältige Kuratierung der Challenges: Relevante Fragestellungen werden vorab in intensiven Workshops mit Praxispartnern geschärft 

Direktes Matching statt „Cold Calls“: Um den Einstieg in komplexe Themen zu erleichtern, werden Studierende direkt mit festen Ansprechpartnern aus der Praxis verbunden  

Learnings

Hoher, aber lohnenswerter Aufwand für Community-Building: Der Aufbau und Erhalt eines thematischen Netzwerks ist personell fordernd, zahlt sich jedoch durch die Transferaktivitäten und die Qualität der studentischen Projekte aus

Fazit

Die Erfahrungen aus den Projekten der „impact-orientierten Entrepreneurship-Qualifizierung“ verdeutlichen, dass externe Stakeholder weit mehr sind als bloße Praxispartner. Sie sind ein zentrales didaktisches Element der Impact-Entrepreneurship-Lehre, wodurch sich der Lernraum spürbar verändert: Die Anwesenheit von Akteuren aus der „echten Welt“ bricht die Theorie-fokussierte Hörsaalatmosphäre auf und ersetzt fiktive Fallbeispiele durch reale Verantwortung. Studierende erleben unmittelbar, dass ihre Ideen auf echte Bedürfnisse treffen – etwa wenn ein Verein für Rollstuhl-Basketball die studentischen Konzepte für sein Fundraising übernimmt. 

Gleichzeitig verschieben Rückfragen aus der Praxis die Perspektiven der Studierenden: Wo ein theoretisches Modell eine perfekte Lösung verspricht, zwingt der Dialog mit Praktikern zur Auseinandersetzung mit begrenzten Budgets oder bürokratischen Hürden. Hierbei entsteht eine wertvolle „produktive Reibung“. Diese Spannung wird durch die Moderation der Dozierenden in Lerneffekte verwandelt, indem sie als Reflexionsanlass für die Komplexität realer Impact-Projekte genutzt wird. Sowohl diese Moderation als auch eine sorgfältige didaktische Rahmung, ein vorbereitender Netzwerkaufbau und aktives Erwartungsmanagement sind Kernaufgaben, die Dozierende in der Arbeit mit externen Stakeholdern übernehmen.  

Wo diese Voraussetzungen erfüllt sind, entstehen Formate, die über einzelne Module hinaus wirken: Sie stärken regionale Impact-Communities, ermöglichen nachhaltige Transferprojekte und positionieren Hochschulen als verbindende Plattformen zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis. 

Interviewpartner:innen

  • Prof. Eva Jakob, Universität Bayreuth, U4Impact  
  • Pia Traub, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Impact E³ 
  • Michael Fried, Hochschule Ansbach, Impact E³ 
  • Klemens Hering, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Impact E³ 
  • Latife Karaibrahimoglu, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Impact E³